Mobile Welle flutet E-Commerce

Soviel ist gewiss: Die mobile Welle flutet in rasantem Tempo den E-Commerce. Was noch unklar ist, ist die Frage, wie Online-Händler zum bestehenden Zeitpunkt diesem Thema Rechnung tragen? Eine Analyse.

Nicht nur «Digital Natives», also Personen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, nutzen ihre mobilen Geräte, um im Internet zu surfen. Auch die älteren Generationen nutzen zunehmend mobile Geräte, wie der Media Use Index (MUI) 2015 der Y&R Group Switzerland zeigt. Jeder zweite Schweizer besitzt mittlerweile ein Tablet, bereits 48 Prozent beträgt die gesamthafte Internetnutzung über dieses Gerät. Mit 80 Prozent liegt die Internetnutzung über Smartphones jedoch weiterhin auf dem unangefochtenen Spitzenplatz. Die mobile Internetrevolution geht gar soweit, dass Experten des E-Commerce-Reports Schweiz 2015 die mobile Internetnutzung als Wachstumstreiber Nummer eins im E-Commerce bezeichnen. Nichts scheint die mobile Flut stoppen zu können. Doch sind die Online-Händler auf diese imposante Welle vorbereitet, die auf sie zu rollt?

Smartphone: Die Hürde

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Der Anteil des Umsatzes, der über mobile Geräte generiert wurde, lag 2014 bei zwei Drittel der Teilnehmer bei über 10 Prozent. Ein Viertel erzielten sogar über 30 Prozent ihres Gesamtumsatzes über mobile Endgeräte. Trotz diesen Zahlen bezeichnen die meisten Online-Händler Mobile als ihre grösste Herausforderung für die Zukunft. Nicht auf Mobile ausgerichtete Webseiten oder nicht Conversion-optimierte Apps sind die beiden häufigst, genannten Defizite im M-Commerce. Darüber hinaus wird im Bericht auch der Check-out als Barriere für Bestellungen genannt. Blacksocks geht mit gutem Beispiel voran und stellt im Warenkorb-Prozess in erster Linie die Bedürfnisse der mobilen Surfer ins Zentrum: Einfaches Login, ein Minimum an Tipparbeiten und ein Erscheinungsbild durch und durch auf Touch-Geräte ausgerichtet. Was folgt als nächstes?

«Mobile first»

Mehrere E-Commerce-Experten prophezeien, dass der nächste grosse Wachstumsschub im E-Commerce von Mobile ausgehen wird. Die SBB ging gar soweit, ihrem E-Business die Doktrin von «Mobile first» aufzuerlegen. Mit Erfolg: 2015 hat die SBB Ricardo vom Thron des meistgenutzten Online-Shops der Schweiz gestossen. Doch so einfach ist es nicht, wie diverse Aussagen von Online-Händlern belegen. Bettina Urwyler von Betty Bossi moniert etwa, dass eine Content-Kopie vom Web im Mobile-Kanal nicht ausreicht und forscht als Konsequenz derzeit am eigentlichen Grund, wofür der Kunde das Mobile bevorzugt nutzt. Und Erich Mühlemann von TUI Schweiz fügt an, dass die Nutzung von mehreren Geräten zu höheren Akquisitionskosten führt und folglich ein Investment in entsprechende Technologien erfordert. Die Lösung?

Das Erlebnis im Zentrum

Die «User Experience», das Kauferlebnis des Kunden soll erhöht werden. Doch so weit sind die Schweizer E-Commerce-Händler bei weitem nicht. Erst einige wenige Teilnehmer der Studie haben Anpassungen am Nutzererlebnis ihres Online-Shops vorgenommen. Die meisten stehen jedoch mit Projekten, ihren Webshop auf verschiedene Endformate auszurichten, sprich für kleine Bildschirme anpassungsfähig zu machen, am Anfang der Entwicklung der mobilen E-Commerce-Revolution. Eines ist jedoch sicher: Der M-Commerce wird kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. Die Zahlen des MUI lassen keine Zweifel offen: Die 14- bis 29-jährigen «Digital Natives» sind bereits zu 55 Prozent mehr mit dem Smartphone online als mit dem Personal Computer oder dem Notebook. Zu guter Letzt sollten die über 55-jährigen «Silver Surfers», die zunehmend mit mobilen Geräten gerüstet sind, nicht ausser Acht gelassen werden, denn im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihre mobile Nutzung mehr als verdoppelt.

Quellenangaben:

Media Use Index, Y&R Group Switzerland, 2015
E-Commerce-Report Schweiz, FHNW, Datatrans, 2015